Forschungsprojekte im Auftrag der
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege /
Researchproject by order of the
Professional Association for Health Service and Welfare Work (Hamburg).


Übersicht:
Nach einer kurzen Einführung zu den Aufgaben und Leistungen der deutschen Berufsgenossenschaften stellen wir die beiden Forschungsprojekte vor. Hierbei handelt es sich zum einen um Humanmediziner (Arzt- und Zahnarztpraxen), zum anderen um Veterinärmediziner (Tierarztpraxen).
(Folgende Informationen und Zitate wurden entnommen: Merkblatt über die gesetzliche Unfallversicherung, Ausgabe 1993; herausgegeben vom Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften)
- Die Berufsgenossenschaften in Deutschland sind (neben anderen Organisationen) die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung - einem Zweig des Sozialversicherungssystems.
Die Unfallversicherung ist, wie Renten-, Kranken- Arbeitslosen- und Pflegeversicherung, eine Pflichtversicherung.
- Kraft Gesetzes ist jeder Unternehmer Mitglied seiner Berufsgenossenschaft und zur Leistung von Beiträgen verpflichtet.
Die Höhe der Beiträge richtet sich nach der gezahlten Lohn- und Gehaltssumme und nach dem Gefahrtarif, der sich aus der Unfallbelastung der verschiedenen Unternehmenszweige ergibt.
Das tatsächliche Unfallgeschehen im jeweiligen Betrieb wird durch Zuschläge bzw. Nachlässe (Nachlässe nicht im Bereich der
) beim Mitgliedsbeitrag berücksichtigt.
- Versicherte sind alle aufgrund eines Arbeits-, Dienst- oder Ausbildungsverhältnisses Beschäftigte, unabhängig von Alter, Einkommenshöhe oder Dauer des Arbeitsverhältnisses.
Versichert sind:
| Arbeitsunfälle |
- Unfälle, die ein Versicherter in ursächlichem Zusammenhang mit seiner versicherten Tätigkeit erleidet. |
| Wegeunfälle |
- Als Wegeunfälle gelten Unfälle auf einem mit der Tätigkeit im Unternehmen zusammenhängenden Weg nach und von der Stätte der versicherten Tätigkeit.
|
| Berufskrankheiten |
- Sind Krankheiten, die in der Berufskrankheitenverordnung als solche bezeichnet sind und die sich der Versicherte durch seine versicherte Tätigkeit zuzieht. |
Aufgaben und Leistungen der Unfallversicherungsträger
Gesetzlich sind den Unfallversicherungsträgern folgende Aufgaben zugewiesen:
1. Verhütung von Arbeitsunfällen und Erste Hilfe
2. Leistungen zur Rehabilitation der Unfallverletzten
3. Entschädigung durch Geldleistungen
1. Unfallverhütung und Erste Hilfe
"Die Unfallversicherungsträger haben die gesetzliche Verpflichtung, mit allen geeigneten Mitteln
für die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten zu sorgen."
Hierunter fallen:
a) Technische Unfallverhütung
Diese strebt die Arbeitssicherheit aller Betriebseinrichtungen und den Ausbau aller denkbaren Schutzeinrichtungen an.
b) Unfallverhütung durch Aufklärung, Schulung und Werbung
Hierbei werden Maßnahmen durchgeführt, die sichere Arbeitsweisen und sicheres Verhalten bewirken sollen. Dies geschieht durch Ausbildungslehrgänge und diverse Mittel für die Aufklärung, Werbung und Schulung wie Broschüren, Merkblätter, Zeitschriften, Plakate, Filme, Tonbildreihen und Vorträge.
c) Unfallverhütende Betriebsregelung durch den Unternehmer
Unternehmer müssen alle der Unfallverhütung dienenden Maßnahmen und Anordnungen in ihrem Betrieb treffen. Hierzu gehört die Arbeitnehmer zum sicheren Arbeiten und zur Beachtung der Unfallverhütungsvorschriften anzuhalten und sie über Gefahren aufzuklären, die mit der Beschäftigung verbunden sind.
2. Leistungen zur Rehabilitation der Verletzten und Berufserkrankten
a) Medizinische Leistungen zur Rehabilitation (Heilbehandlung)
"Bei Verletzungen durch Arbeitsunfälle und bei Berufskrankheiten gewährt der Unfallversicherungsträger Heilbehandlung. Die Heilbehandlung verfolgt mit allen geeigneten Mitteln das Ziel, die Gesundheitsstörung zu beseitigen oder zu bessern, ihre Verschlimmerung zu verhüten und die Auswirkungen der Unfallfolgen zu erleichtern. Sie wird solange gewährt, bis ihr Ziel erreicht ist."
Die Heilbehandlung umfaßt u.a.:
- ärztliche und zahnärztliche Behandlung,
- Arznei- und Verbandmittel,
- Ausstattung mit Körperersatzstücken sowie orthopädischen und anderen Hilfsmitteln,
- Belastungserprobung und Arbeitstherapie,
- die Gewährung von Pflege.
b) Berufsfördernde Leistungen zur Rehabilitation (Berufshilfe)
"Die Berufshilfe hat das Ziel, den Verletzten nach seiner Leistungsfähigkeit und unter Berücksichtigung seiner Eignung, Neigung und bisherigen Tätigkeit möglichst auf Dauer beruflich einzugliedern."
Leistungen der Berufshilfe umfassen insbesondere:
- Hilfen zur Erhaltung und Erlangung eines Arbeitsplatzes,
- Berufsvorbereitung,
- berufliche Anpassung, Fortbildung, Ausbildung und Umschulung.
3. Entschädigung durch Geldleistungen
a) Leistungen an den Verletzten
- Verletztengeld bei Arbeitsunfähigkeit und Übergangsgeld während der Berufshilfe.
"Für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit im Sinne der Krankenversicherung erhalten unfallverletzte Arbeitnehmer Verletztengeld, soweit sie Arbeitsgeld nicht erhalten."
- Verletztenrente
b) Bei Tod durch Arbeitsunfall sind zu zahlen:
- Sterbegeld
- Überführungskosten
- Renten an Hinterbliebene (Witwe/r und Waisen)
Berufsgenossenschaften in Deutschland
In Deutschland sind 35 gewerbliche Berufsgenossenschaften (nach Gewerbezweigen gegliedert), die See-Berufsgenossenschaft und 21 landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften (nach Regionen gegliedert) die Träger der gesetztlichen Unfallversicherung.
Weitere Träger sind der Bund, die Länder, die Gemeindeunfallversicherungsverbände, bestimmte Gemeinden, die Feuerwehr-Unfallkassen sowie die Landesunfallkasse Hamburg.
In der
(Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) sind u.a. folgende Betriebe versichert:
- Arztpraxen
- Zahnarztpraxen
- Heilpraktiker
- Krankenhäuser
- Tierarztpraxen, Tierärztliche Kliniken und Hausapotheken
- Friseurbetriebe
- Kosmetikbetriebe, Schlankheitsinstitute, Solarien/Sonnenstudios
- Heime (z.B. Kinder-, Jugend- und Altenheime)
- Ambulante sozialpflegerische Dienste
- Schulen, berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildungsstätten sowie Umschulungsstätten
Zahlen und Fakten zur
:
| Mitglieder und Versicherte |
| Mitgliedsunternehmen |
424.122 |
|
| Versicherte (inkl. Freiwilliger, Kinder etc.) |
ca. 4.8 Millionen |
|
| Meldepflichtige Unfälle |
| |
pro 1000 Vers. |
| Arbeitsunfälle |
55.370 |
17,11 |
| Arzt- und Zahnarztpraxen/Laboratorien |
3.535 |
5,6 |
| Tierarztpraxen/Schädlingsbekämpfer |
1.195 |
32,5 |
| Wegeunfälle |
26.370 |
6,14 |
| Arzt- und Zahnarztpraxen/Laboratorien |
4.236 |
5,2 |
| Tierarztpraxen/Schädlingsbekämpfer |
157 |
6,5 |
Berufskrankheiten (Verdachtsanzeigen) |
11.604 |
3,59 |
| Arzt- und Zahnarztpraxen/Laboratorien |
2.102 |
|
| Tierarztpraxen/Schädlingsbekämpfer |
105 |
|
| Rentenleistungen |
| Neue Arbeitsunfall-Renten |
1.419 |
0,44 |
| Neue Wegeunfallrenten |
1.332 |
0,31 |
| Neue Berufskrankheiten-Renten |
238 |
|
| Laufende Renten |
29.124 |
|
| "Neue" Entschädigungsleistungen 1996 (ohne laufende Fälle) |
| |
DM |
|
| Heilbehandlung |
213.360.386,00 |
|
| Berufshilfe |
86.358.937,00 |
|
| Renten |
253.371.875,00 |
|
Angaben aus:
Jahresbericht 1996 der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege und eigene Berechnungen
Die
im Vergleich zu anderen Berufsgenossenschaften:
- Bezogen auf Arbeitsunfälle ist die
mit ca. 17 Versicherungsfällen auf 1000 Vollarbeiter/Versicherungsverhältnisse von allen Berufsgenossenschaften am geringsten betroffen.
- Bei Wegeunfällen pro 1000 Versicherungsverhältnisse liegt sie mit 6 pro 1000 allerdings an der sechsten Stelle aller BGen.
- Dies spricht einerseits für positive Unfallverhütungsmaßnahmen am Arbeitsplatz, ist aber gleichzeitig Ansporn, auch die Anzahl der Wegeunfälle zu senken.
Einleitung
Betrachtet man alle bei der
versicherten Betriebe, so stellt man fest, daß betriebliche Verkehrsunfälle auf Fahrten von und zur Arbeit, auf Dienstwegen oder auf Betriebsgelände zwar weniger als 28% der meldepflichtigen Unfälle sind, diese machen aber bereits ca. 49% der erstmals entschädigten und fast 85% der tödlichen Unfälle aus (BGW, 1994).
Im Bereich von Arztpraxen gibt es besondere Konstellationen, die zu höheren Unfalldispositionen führen:
- Geringe Mitarbeiteranzahl, somit nur seltene Möglichkeiten für Fahrgemeinschaften,
- durch lange und unregelmäßige Arbeitszeiten ist eine Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs erschwert, bzw. (besonders in ländlichen Lagen) unmöglich,
Diese Beschäftigtengruppe (Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Arzt- und Zahnarztpraxen) macht ca. ein Drittel der Versicherten aus.
Dies stellte die herausfordernde Ausgangssituation für unsere Untersuchung dar.
Untersuchungsdurchführung
Datenerhebung:
- Auswertung von Literatur und statistischen Unfalldaten
- Expertengespräche und Pretest der Fragebögen
- Fragebögen an Ärzte und Personal, ca. 1% der Betriebe (Vorher-Messung).
Es wurden an ca. 5000 Praxen Fragebögen versendet. Aus ca. 1000 Praxen wurden Fragebögen zurückgesendet, insgesamt ca. 3300 Bögen. Abschluß der Datenerhebung war am 30.06.1995.
- Gruppendiskussion mit 13 Arztpraxen
Unter Verwendung der "Personal Grid Methodology" (Persönlichkeitsgitter nach Kelly) wurden mit insgesamt 17 Personen Gespräche geführt, bei denen Informationen über unfallfördernde, verkehrsrelevante Verhaltensweisen erhoben wurden.
- Auswertung der Daten
- Berichterstellung und darauf aufgebaute Erstellung der Broschüre der
Bericht:
Die Untersuchungsergebnisse wurden in einem Forschungsbericht zusammengefaßt. Dieser wurde von der BGW in der Reihe "Arbeitsberichte zur Verkehrssicherheit" veröffentlicht:
-
- Dr. Rüdiger Trimpop und Dr. Bruce Kirkcaldy: Arbeitsbedingte Teilnahme am Straßenverkehr. Unfallrisiken und Präventionsmöglichkeiten für Arzt- und Zahnarztpraxen, Hamburg 1995
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an:
- Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
- Technischer Aufsichtsdienst TAD
Dipl. Soz. Hartmut O. Genz
Referent für Verkehrssicherheit
Pappelallee 35-37
22089 Hamburg
Als Interventionsmaßnahme wurde von uns aufgrund der Datenauswertung
eine Informationsbroschüre entworfen:
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| |
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Stop dem Stress! |
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Herausgeber: |
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
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Verantwortlich: |
Dr. Gerhard Mehrtens, Direktor Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege |
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Konzeption: |
Hartmut Genz |
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Text: |
Karsten Neumann |
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Karikaturen: |
Jan Tomaschoff |
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Wissenschaftliche Beratung: |
Dr. Rüdiger Trimpop und Dr. Bruce Kirkcaldy |
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Realisierung: |
Uli Janssen |
|
Hamburg 1997 |
|
Inhalt:
Wir wollen etwas ändern / Ergebnisse aus einer Studie
Es hätte schlimm ausgehen können - ein Beispiel
Verkehrssicherheit beginnt am Arbeitsplatz - in der Praxis
Personen, die besonders gefährdet sind und es manchmal gar nicht wissen
Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung
Zusammen sind wir stark
Runter mit dem Streß - sofort
Nicht alles geht von heut' auf morgen
Veränderungen, die Zeit brauchen
Wir wollen, daß Sie sicher durch den Tag kommen
Sind Sie gefährdet? - der Streßtest |
|
Bezugsadresse:
Sie sind Praxisinhaber einer Arzt- oder Zahnarztpraxis und möchten diese Broschüre für Ihre Praxis bestellen?
Kein Problem, einfach Postkarte oder Fax senden, die Streßbroschüre wird Ihnen umgehend zugesandt.

Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
Technischer Aufsichtsdienst
Hauptverwaltung
Bereich Verkehrssicherheit
Pappelallee 35-37
22089 Hamburg
Fax: 040-20 207-525 |
Sie können unseren Streßtest auch online durchführen:
Wissenschaftliche Veröffentlichungen:
- Dr. Rüdiger Trimpop und Dr. Bruce Kirkcaldy: Arbeitsbedingte Teilnahme am Straßenverkehr. Unfallrisiken und Präventionsmöglichkeiten für Arzt- und Zahnarztpraxen, Arbeitsberichte zur Verkehrssicherheit der BGW ,Hamburg 1995,
- Kirkcaldy, B.D., Trimpop, R.,and Cooper, C.L.: Working Hours, Job stress, work satisfaction and accident rates among medical practitioners, consultants and allied personnel. International Journal of Stress Management, 1997, 4, 2, 79-87.
- Kirkcaldy, B.D., and Trimpop, R.: Arbeitsorganisation und Unfälle in Arztpraxen. Psychologie der Arbeitssicherheit. 9. Workshop. Süddeutsche Metall Berufsgenossenschaft, Lengfurt, 1997.
- Trimpop, R., and Kirkcaldy, B.D.: Personality predictors of driving accidents. Personality and Individual Differences, 1998, 23, 1, 147-152.
- Trimpop, R., and Kirkcaldy, B.D.: Stress indicators among medical personnel: A comparison of the "old" and "new" Länder. Journal of Managerial Psychology, 1998, 1/2, 13, 22-27
- Trimpop, R., Kerr, J., Kirkcaldy, B.D., Comparing personality constructs of risk-taking behaviour, Personality and Individual Differences, 1998 (im Druck)
Momentane und geplante Tätigkeiten:
- Evaluation der Wirksamkeit der Broschüre (Akzeptanz, Bewertung, Umsetzung)
- Post-Test (Nachher-Messung) in Arzt- und Zahnarztpraxen
- Abschlußbericht mit Ausblick auf weitere Maßnahmen in den Betrieben
Eine weitere Versichertengruppe der
sind Veterinärmediziner bzw. Tierarztpraxen. Auch bei dieser Versichertengruppe ist ein relativ hohes Unfallaufkommen zu beobachten.
Bei der näheren Beschäftigung mit dieser Berufsgruppe durch Gespräche in Tierarztpraxen und mit Experten wurden sehr schnell auffällige Unterschiede zur zuvor untersuchten Berufsgruppe der Humanmediziner deutlich:
- Tierärzte sind eher Generalisten als Spezialisten. Dies bezieht sich sowohl auf die verschiedenen Tierarten, als auch die eingentlichen Tätigkeiten:
"Ich bin Chirurgin, Augenärztin, Dermatologin, Internistin ... für Tiere" (Aussage einer Tierärztin),
- die fundamentalen Unterschiede im Abrechungssystem führen zu Forderungsausfällen in beträchtlicher Höhe, nicht selten im fünfstelligen Bereich,
- damit verbunden ist des weiteren ein wirtschaftlicher Verdrängungswettbewerb der Tierärzte untereinander,
- die Mitarbeiterzahl ist noch erheblich geringer als in humanmedizinischen Praxen,
- die Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen stellen sich für Kleintierpraxen und Großtierpraxen sehr unterschiedlich dar,
- Großtierpraktiker haben mitunter sehr weite Entfernungen bei den täglichen Fahrten zu den zu behandelnden Tieren zurückzulegen,
- damit verbunden ist häufig ein "Büro auf Rädern", d.h. die Ausstattung des PKW mit Behandlungsinstrumenten, Apotheke, Mobiltelefon, Diktiergerät usw.,
- die durchschnittliche Arbeitszeit liegt höher als bei anderen Berufsgruppen.
Diese ersten, über die Berufsgruppe gewonnenen, Informationen gaben genug Anlaß, auch in dieser Berufsgruppe eine repräsentative Befragung durchzuführen, um so detaillierte Informationen zu erhalten und so unfalldisponierende Faktoren zu ermitteln.
Untersuchungsdurchführung
Datenerhebung:
- Modifizierung des Fragebogens aus der Befragung der Humanmediziner
- Versenden der Fragebögen an Tierarztpraxen (die Stichprobe umfaßt ca. 10% aller Betriebe)
Es wurden an ca. 2100 Praxen Fragebögen versendet. Zur Auswertung lagen insgesamt 778 Fragebögen vor. Abschluß der Datenerhebung war am 30.09.1996.
- Auswertung der Daten
- Berichterstellung und Ableitung von Implikationen für Interventionsmaßnahmen in Praxen (siehe unten).
Bericht:
Die Untersuchungsergebnisse wurden in einem Forschungsbericht zusammengefaßt. Dieser wurde von der BGW in der Reihe "Arbeitsberichte zur Verkehrssicherheit" veröffentlicht:
-
- Dr. B. D. Kirkcaldy und Vert. Prof. Dr. R. M. Trimpop: Organisatorische und individuelle Faktoren im Verkehrs- und Arbeitsunfallgeschehen in Tierarztpraxen, Zwischenbericht über die Forschungsergebnisse an die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Bereich Verkehrssicherheit, Hamburg 1997
Bei Interesse an dem Forschungsbericht wenden Sie sich bitte an:
- Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
- Technischer Aufsichtsdienst TAD
Dipl. Soz. Hartmut O. Genz
Referent für Verkehrssicherheit
Pappelallee 35-37
22089 Hamburg
Intervention: Coaching bei Tierärzten
Kurzbeschreibung Coaching:
Ein sehr erfolgreicher Weg zur Änderung von Strukturen, Einstellungen und Verhaltensweisen in Kleinstgruppen oder bei Einzelpersonen, meist in leitenden Positionen, stellt seit einigen Jahren das sogenannte "Coaching" dar.
Hierbei werden Führungskräfte bei ihrer täglichen Arbeit begleitet und beobachtet. Die hoch qualifizierten Begleiter (Coachs) analysieren die Interaktion zwischen den Führungskräften und Mitarbeitern, beobachten das Arbeits- und Sicherheitsverhalten, die Fahrweise, den Umgang mit den Klienten und melden diese Beobachtungen den Führungskräften direkt zurück.
Anschließend werden gemeinsame Strategien entwickelt, um die beobachteten und die selbstentwickelten Probleme in Arbeits- und Sicherheitsverhalten abzubauen. Dabei wird in erster Linie auf organisatorisch-strukturelle Lösungen gezielt, danach folgen verhaltensbezogene Lösungsansätze und schließlich einstellungsorientierte, da in einer kurzfristigen Intervention grundlegende Einstellungen kaum zu verändern sind, wohl aber ungünstige Verhaltensautomatismen und Strukturen thematisiert und verändert werden können.
Coaching im Arbeits- und Gesundheitsschutz
Solche Coachingprozesse werden meist aufgrund der zeit- und qualifikationsintensiven Methode nur bei Führungspersonen in der Industrie eingesetzt und wurden bisher, unseres Wissens nach, noch nicht systematisch im Arbeits- und Gesundheitsschutz und damit der betrieblichen Verkehrssicherheit eingesetzt oder auf ihre Wirksamkeit hin überprüft. Angesichts der besonderen Betriebskonstellation in Tierarztpraxen und der Bedeutung Unfallgeschehens, bietet sich dieser Ansatz aber an.
Coaching als Präventionsbaustein der
Während eines Pilotversuches wird dieser Ansatz evaluiert, um Effektivitätsdaten für einen breiter angelegten Baustein im Präventionsangebot der
zu sammeln und die Erfahrung der beteiligten Tierärzte zu nutzen, da sie selbst letzlich ihren Berufsalltag weitgehend selbst bestimmen.
Durchführung der Coachings
Beteiligte:
Die Coachings werden im Rahmen eines Modellversuches seit Frühjahr 1998 durchgeführt.
Die Projektleitung liegt bei:
Dr. Rüdiger Trimpop, Ph.D. Friedrich-Schiller Universität Jena Institut für Psychologie
Vert. Prof. für ABO-Psychologie
E-Mail: s5trru@rz.uni-jena.de
|
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Dr. Bruce Kirkcaldy, Dr.phil.
Internationales Institut für Arbeit und Gesundheit
Düsseldorf
E-Mail: Bruce.Kirkcaldy@t-online.de
Homepage
|
Die Coachings werden durchgeführt von:
Dipl. Psych. Lisa Falkenberg
Cognition - Gesellschaft für Personalentwicklung, Moderation und Training
Eschweiler
Dipl. Päd. Claudia Vetter
Synergie GmbH
Wermelskirchen
Dr. Reinhard Vorwerg
Jena
Wissenschaftliche Vor- und Nacherhebung:
Nicole Knorr und Sabine Schabbel
Diplomandinnen der Friedrich-Schiller Universität Jena
Koordination und Administration:
Torsten Engelbrecht
Diplomand an der Ruhr-Universität Bochum
Betriebswirt (VWA)
Projektverlauf und Zwischenergebnisse:
Die erste Phase des Tierarztcoachings (September bis Dezember 1997) brachte überwiegend positive Ergebnisse. Es zeigte sich erneut, daß die Arbeitsbedingungen und Problemstellungen in Tierarztpraxen große Variationen aufweisen. Somit bestätigte sich unsere Einschätzung, daß ein individueller Ansatz bei der Betreuung von Tierarztpraxen hinsichtlich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sinnvoll ist.
Vorgefundene, spezifische Problemstellungen:
In Kleintierpraxen (KTP) haben wir wenige Probleme vorgefunden, Arbeitsstreß und Probleme in der Praxis ergeben sich meistens aus den Beziehungen der Mitarbeiter untereinander.
- Nach mehrjähriger Tätigkeit (und manchmal schmerzhaften Erfahrungen) finden Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz recht hohe Beachtung, die Risiken für Wegeunfälle während der Tätigkeit sind sehr gering, da Fahrtätigkeit im Praxisalltag nur selten bis gar nicht vorkommt.
In Großtierpraxen (GTP) zeigen sich hingegen häufig Probleme. Dies begint bei der schwierigen wirtschaftlichen Situation.
- Hierdurch sind viele Tierärzte zur völligen "Kundenorientierung" gezwungen:24 Stunden in Bereitschaft, Arbeit auf Abruf, hohe tägliche Fahrleistungen, Abhängigkeit von den Kunden führt zu erzwungener Akzeptanz offensichtlich gefährdender Arbeitssituationen usw.
In gemischten Praxen (KTP und GTP) ergibt sich hingegen ein differenziertes Bild.
-
Gute Praxisorganisation, gezielte Maßnahmen in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, bewußte Mitarbeiterführung sind hier positiv hervorzuheben.
- Andererseits können im Extremfall aber auch die zuvor genannten Probleme geballt, d.h. kombiniert, angetroffen werden: neben den Problemen der Großtierpraxis kommen noch Probleme der Ärzte, bzw. Mitarbeiter untereinander hinzu.
Teilnahmemöglichkeit:
Sie sind Praxisinhaber und sehen sich mit den zuvor geschilderten Problemen täglich konfrontiert, d.h. zum Beispiel:
- Sie betreiben eine Kleintierpraxis und haben interne Schwierigkeiten, die sich auf die alltägliche Arbeit nachhaltig auswirken? Alle eigenen Lösungsversuche haben keinen Erfolg gehabt oder die Situation eher noch verschlimmert?
- Sie sind Großtierpraktiker und fühlen sich ständig im Stress? Sie stehen ständig "unter Strom", ihr Privatleben leidet, bzw. findet kaum noch statt? Bei Ihnen häufen sich Unfälle, bzw. "Beinahe-Unfälle"?
- Sie arbeiten in einer gemischten Praxis, oder einer Praxis mit mehreren Beschäftigten? Es läuft seit einiger Zeit "nicht mehr rund", d.h. sie verzeichnen zum Beispiel hohe Mitarbeiterfluktuation, häufige Unfälle während der Tätigkeit oder auf Wegen, persönliche Probleme bei der Trennung von Privatleben und Arbeit usw.?
Die Pilotphase wurde mittlerweile abgeschlossen.
Die Ergebnisse wurden in einem Forschungsbericht der BGW veröffentlicht.
Aufgrund positiver Ergebnisse werden die Coachingmaßnahmen als Präventionsbausteine der BGW fortgeführt.
Bei weiterem Interesse an diesem Projekt steht Ihnen zur Verfügung:
Prof. Dr. Rüdiger Trimpop, Ph.D.
(Homepage E-Mail)
Über Anregungen und Kommentare würden wir uns sehr freuen:
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© 1998, 1999, 2000 Torsten Engelbrecht